Der benutzerfreundliche (also barrierefreie) Umbau der Wiesbadener Haltestellen ist ein häufigerer Gast auf den Tagesordnungen der städtischen Gremien.

Unter dem Titel des benutzerfreundlichen Ausbaus verbirgt sich der barrierefreie Ausbau von Bushaltestellen. Mit der Novelle des Personenbeförderungsgesetzes vom 01.01.2013 ist der vollständige, barrierefreie Umbau bis zum Januar 2022 für den ÖPNV verpflichtend.

Der Nahverkehrsplan hat die Belange der in ihrer Mobilität oder sensorisch eingeschränkten Menschen mit dem Ziel zu berücksichtigen, für die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs bis zum 1. Januar 2022 eine vollständige Barrierefreiheit zu erreichen.

§8 (3) Satz 3 PBefG

Zu einem derartigen, barrierefreien Umbau gehören neben den taktilen Streifen im Bordstein auch die Höhersetzung der Bordsteinkante, um den Spalt zwischen Bus und Bordstein zu minimieren. Mit entsprechend höherer, speziell auf Busse ausgelegte Bordsteinkanten werden auch Rampen benötigt. Im Alltag kaum wahrnehmbar – für barrierefreies Reisen unersetzlich.

Berichten des Wiesbadener Kuriers zufolge1Stolperfalle Gehweg, 21.01.2019 war Anfang 2019 nur ein Viertel der 880 Wiesbadener Bushaltestellen vollständig barrierefrei. 2017 wurden 13 Haltestellen umgebaut, 2019 weitere 15. Bei der Geschwindigkeit erscheint ein vollständiger Umbau bis 2022 fraglich – ein guter Grund, den aktuellen Stand und die weiteren Planungen zu hinterfragen.


HaltestellePiWiLänge d. BaumaßnahmeKostenKosten/Meter
Karl-Drebert-Straße20-V-66-024458 Meter127.000 EUR2.200 EUR/m
Patrickstraße20-V-66-023040 Meter107.000 EUR2.675 EUR/m
Carl-von-Linde-Straße/Flachstraße20-V-66-022626 Meter56.000 EUR2.150 EUR/m
Flachstraße20-V-66-021723 Meter40.000 EUR1.740 EUR/m
Dyckerhoffstraße20-V-66-023439,5 Meter115.000 EUR2.900 EUR/m
Fichtestraße/ Handwerkskammer20-V-66-022343,5 Meter110.000 EUR2.500 EUR/m
Dyckerhoffstraße20-V-66-023325 Meter52.000 EUR2.080 EUR/m
Rathausplatz21-V-66-020393.000 EUR
Willy-Brandt-Allee20-V-66-024430 Meter54.000 EUR1.800 EUR/m
Waldstraße20-V-66-024643 Meter61.000 EUR1.420 EUR/m
Beispielhafte Zusammenstellung einiger Haltestellenumbauten aus dem PiWi, Antragsjahr 2020/21. Die Kosten hängen natürlich nicht nur von der Länge der Haltestelle ab – auch von einer Reihe weiterer Faktoren wie Breite des Fußweges, etwaige Überwege, zu verlegende Leitungen.

Wenig überraschend gibt es einen offensichtlichen Zusammenhang zwischen der Länge der umzubauenden Haltestelle und der entstehenden Kosten. Viele Kostenpositionen sind direkt Längen- oder Flächenabhängig. Und so ergibt sich beispielhaft für unten genannte sieben Umbauten in 2020 ein recht eindeutiger Zusammenhang.

Angesichts der hohen Zahl der noch umzubauenden Haltestellen erscheinen die Kosten von 100.000 EUR pro Haltestelle (bzw. besser: pro Bussteig) als recht hoch. Doch wie setzen sie sich zusammen? Das haben wir beispielhaft für die unten genannten sieben Haltestellen zusammengefasst.

Für diese sieben Haltestellen sind knapp 560.000 EUR kalkuliert. Davon entfallen zwei Drittel auf direkte Baukosten und jeweils rund 13% auf Mehrwertsteuer und Baunebenkosten (wie Planungsleistungen). Die verbleibenden 6% sind Zuschläge für Kleinleistungen2Die Zuschläge werden mit 10% der Baukosten angesetzt. „Bereits der Wortlaut „Kleinleistungen“ macht deutlich, dass es um Leistungen geht, die jedoch so klein sind, dass diese in der gröberen Bearbeitungstiefe des Entwurfs und der Kostenberechnung noch nicht enthalten sind. (…) Gerade bei Verkehrsanlagen hat man solche Kleinleistungen zuhauf. Beispiele sind: Ansprühen mit bitumenhaltigen Bindemitteln, Übergänge im Oberbau, Schmelzband (TOK), Kontrollprüfungen, Dehnungsfugen, Suchschlitze, Leitungssicherungen, Aussparungen, Oberflächenbehandlungen, Trennfolien, Höhenmesspunkte
oder Jahreszahlen am Bauwerk.“ (Quelle)
.

Doch wie teilen sich die Baukosten weiter auf? Die Kostenschätzungen im PiWi lassen einen detaillierteren Blick zu. Die sieben beispielhaft betrachteten Umbauten veranschlagen 370.000 EUR reine Baukosten. Davon entfallen knapp 80.000 EUR auf den Aushub und die Entsorgung von Erdreich/Bauschutt. Liefern und Setzen neuer Bordsteinkanten schlägt mit knapp 20% der Gesamtbaukosten zubuche. Kostentreiber hier vor allem der Sonderbordstein Bushaltestelle, der mit 270 EUR pro Meter berechnet wird.

Siehe auch

Kategorien: Hintergründe

mathias

Aufgewachsen in Berlin, seit acht Jahren Wahl-Wiesbadener. Eigentlich Nordost, im Herzen aber Westend. Regelmäßiger Radler und Carsharing-Nutzer, beruflicher Verkehrsplaner (SGV). Faible für Daten, Karten und Grafiken.

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