Also zumindest virtuell. Und genau genommen haben wir es fixen lassen – denn die Fehler, die sich durch ins Navigationssystem von Google Maps eingeschlichen haben, ließen sich auch über die „Problem melden“-Funktion nicht mehr korrigieren.

Baustellen, Unfälle, Wasserrohrbrüche oder beschädigte Brücken: Der Wiesbadener Verkehr ist leidgeplagt. Der beste Weg von A nach B kann sich so schnell ändern – derart dynamisch, dass auch der Verkehrsdezernent zur ‚häufigeren Nutzung von digitalen Routenplanern wie Google Maps‘ rät.1 Dass tatsächlich viele Menschen dieses Navigationssystem nutzen, zeigte ein ärgerlicher Vorfall im März diesen Jahres: Eine virtuelle Sperrung der A3 ließ die östlichen Stadtteile im Verkehrschaos versinken. Unzählige Fahrzeuge nahmen Umleitungsrouten und Schleichwege – dabei war die A3 frei, die Sperrung nur fälschlicherweise in Google Maps eingezeichnet.

Doch zurück in die Innenstadt: Am Umbau der Schwalbacher Straße in Verbindung mit der Fernwärme hat sich Navigations-Platzhirsch Google verschluckt. Über Monate hinweg wurden hier umwegige und teilweise falsche Routen empfohlen.

Ein kurzer Zeitsprung zurück: 2025 wurde im Rahmen von Leitungs- und Fernwärmearbeiten die östliche Fahrbahn der Schwalbacher Straße gesperrt; der Verkehr in beide Fahrtrichtungen über die westliche Fahrbahnhälfte geleitet. Dazu baute die Stadt im Kreuzungsbereich Rhein-/ Ecke Schwalbacher Straße eigens eine neue Abbiegeverbindung; auch im weiteren Verlauf der Schwalbacher Straße wurden teilweise neue Spuren errichtet.

Am 13. April 2026 gab es die (bislang) letzte grundlegende Änderung der Verkehrsführung: Nach Abschluss der Bauarbeiten auf diesem Abschnitt wurde der Verkehr in Richtung Michelsberg wieder auf die östliche Fahrbahnseite verlegt – also dorthin, wo er ursprünglich floss. Die eigens errichtete Abbiegeverbindung von der Rheinstraße in die Gegenfahrbahn wurde (analog und digital) gesperrt und der Abschnitt zwischen Dotzheimer Straße und Rheinstraße auf der Westseite (wieder) zur Einbahnstraße. Soweit, so korrekt – nur ein entscheidendes Detail wurde vergessen: Das normale Rechtsabbiegen von der Rheinstraße in die Schwalbacher Straße blieb dem digitalen Routenfinder weiterhin verboten.

Kleiner Fehler, große Wirkung

Im September 2026 – also fünf Monate nach der Änderung der Verkehrsführung – ist das Rechtsabbiegen von der Rheinstraße in die Schwalbacher Straße laut Google Maps weiterhin nicht möglich. Die Route von der Rhein- in die Schwalbacher Straße führt stattdessen durch die Karl- und die Dotzheimer Straße, um dann links auf die Gegenfahrbahn (!) abzubiegen. Besonders bei ortsunkundigen Fahrern – beispielsweise Besucher mit dem Ziel „Parkhaus“ in der Schwalbacher Straße – dürfte das zu Irritationen geführt haben.

Was im Kleinen für Verwirrung geführt haben mag, sorgt im Großen für Verkehrsprobleme. Durch den Schlenker durch die Karlstraße (zwei Mal mehr abbiegen, eine Ampel mehr) wird die Strecke auf einmal unattraktiv für den Durchgangsverkehr. Konsequenterweise empfiehlt Google Maps dann beispielsweise Pendlern von der Berliner Straße in Richtung Platte den Weg über die Taunusstraße – und damit mitten durchs Wohngebiet Wilhelminenstraße in Nordost.

Unsere erste Intervention machte es schlimmer

Nutzer können Google in begrenztem Maße Rückmeldungen zu Verkehrsproblemen zu geben: Neue Baustellen oder nicht mehr existente Sperrungen können per Klick auf die Karte gemeldet werden. Nach unserer ersten Rückmeldung war die westliche Fahrbahn immerhin wieder nur in Richtung Rheinstraße befahrbar. Da die andere Fahrbahnseite aber nicht für den Verkehr Richtung Michelsberg freigegeben wurde, führte das zu wirklich absonderlichen Routenvorschlägen – die Screenshots sprechen für sich.

Ende gut, alles gut

Nach weiteren Interventionen (diesmal in einschlägigen Fachforen) wurde das Problem nun zum 25. September endlich gelöst – nach fast einem halben Jahr. Wie genau entzieht sich unserer Kenntnis. Auch, was genau das Problem war: Aus Nutzersicht ist nicht nachvollziehbar, was die Ursache des fehlerhaften Routings war: Fehlende Abbieger, falsche Einbahnstraßeneinstellungen, unvollständige Freigaben für bestimmte Verkehrsmittel. So tief lässt sich Google nicht in die Karten schauen.

  1. https://www.wiesbadener-kurier.de/lokales/wiesbaden/stadt-wiesbaden/was-die-noerdliche-salzbachtalbruecke-fuer-wiesbaden-bringt-4817506 ↩︎

mathias

Aufgewachsen in Berlin, seit über einem Jahrzehnt Wahl-Wiesbadener. Eigentlich Nordost, im Herzen aber Westend. Regelmäßiger Radler und Carsharing-Nutzer, (zu häufig) auch E-Scooter. Ehem. Verkehrsplaner (SGV). Faible für Daten, Karten und Grafiken.

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