Es tut sich was zur Ländchesbahn: Heute Abend berät der neu konstituierte Ausschuss für Planung, Bau und Stadtentwicklung über die Zukunftsfähigkeit Ländchesbahn und den geplanten Haltepunkt an der neu geplanten Zentrale des Bundeskriminalamtes. Konkret geht es um vorbereitende Baumaßnahmen für einen zweigleisigen Ausbau der Ländchesbahn im Bereich Erbenheim – notwendig für einen künftigen 15-Minuten-Takt.

Hinweis: Der Lesbarkeit verwende ich im folgenden die Begriffe Haltepunkt, Haltestelle und Bahnhof synonym – wohl wissend, dass sie in der Eisenbahnfachwelt unterschiedliche Bedeutungen haben.

Gleichzeitig liegen die Unterlagen zum Umbau des Haltepunktes Erbenheim aus – der letzte Schritt vor der Planfeststellung. Die Pläne versprechen viel: Der Bahnsteig rückt näher an die Berliner Straße und verkürzt damit die Umsteigewege zum Bus. Um den Ein- und Ausstieg zu erleichtern, wird er außerdem auf 76 Zentimeter angehoben – derzeit sind es nur 20 Zentimeter. Der Bahnsteig bekommt moderne Beleuchtung, taktile Leitstreifen, barrierefreie Zugänge.

Doch so ganz passen beide Vorhaben nicht zueinander. Während die Anbindung des neuen Haltepunktes BKA und die angedachte 15-Minuten-Taktung auf der Ländchesbahn ein zweites Gleis erfordern, wird mit der Umgestaltung des Haltepunktes Erbenheim das Gegenteil erreicht. Durch die Lage des neuen Bahnsteigs wird die Eingleisigkeit dieses Bahnhofs dauerhaft zementiert.

Der designierte Entwicklungsbereich BKA direkt östlich des Stadtteils Erbenheim und nördlich der Ländchesbahn-Trasse. (Quelle: LH Wiesbaden)

Ausbau der Ländchesbahn ist politischer Konsens

Erbenheim wächst. Allein auf dem Bereich des direkt an den Bahnhof anschließenden Baugebiets Erbenheim Süd auf dem ehemaligen DYWIDAG-Gelände entstehen aktuell 450 Wohnungen. Auch zur Erschließung der neuen Zentrale des Bundeskriminalamtes östlich der B455 kommt der Ländchesbahn nach Absage der CityBahn eine zentrale Bedeutung zu. Der Konsens ist einmütig: Die Ländchesbahn soll künftig eine größere Rolle im städtischen ÖPNV spielen.

Für eine leistungsfähige, umwelt- und stadtverträgliche Verkehrsanbindung des geplanten zentralen BKA-Standorts im Gebiet Kalkofen mit rd. 7.000 Mitarbeiter:innen wird ein neuer Haltepunkt der Ländchesbahn angestrebt. Für diesen ist ein zweigleisiger Ausbau der Ländchesbahn im Bereich Erbenheim erforderlich.

aus: Sitzungsvorlage 21-V-05-0013

Dass die Ländchesbahn gestärkt werden soll, ist politischer Konsens. Obgleich die konkreten Maßnahmen sich im Detail unterscheiden (attraktivere Bahnhöfe, bessere Umsteigeverbindungen, dichterer Takt, …), findet sich der Ausbau der Ländchesbahn in allen Kommunalwahlprogrammen wieder.

Wir wollen (…) den Schienenverkehr auf der Ländchesbahn und der Rheingaulinie attraktiver machen, Aufwertung der Bahnhöfe und Haltestellen.

Kommunalwahlprogramm 2021, SPD.

Deswegen wollen wir (…) die Ländchesbahn weiter ausbauen und für eine benutzerfreundliche Gestaltung der dazugehörigen Haltepunkte eintreten.

Kommunalwahlprogramm 2021, CDU

Aus diesen Gründen, also der besseren Anbindung von Umlandgemeinden durch einen guten ÖPNV, unterstützen wir auch eine Ausweitung der Ländchesbahn.

Kommunalwahlprogramm 2021, DIE LINKE.

Die Ländchesbahn über die östlichen Vororte in Richtung Idstein sollte eine höhere Taktung bekommen, um Pendler aus diesen Orten besser anzubinden.

Kommunalwahlprogramm 2021, FDP.

Unter anderem fordern wir (…) sinnvolle Taktung und Förderung der Ländchesbahn in Verbindung mit einer „Ringbahn“ unserer Region

Kommunalwahlprogramm 2021, Pro Auto

Perspektivisch wollen wir die Ländchesbahn elektrifizieren, mit strombetriebenen Fahrzeugen ausstatten und einen abschnittsweise zweigleisigen Ausbau prüfen

Kommunalwahlprogramm 2021, DIE GRÜNEN

Knackpunkt Eingleisigkeit

Der Teufel steckt im Detail. Denn um den Neubau des Bahnsteigs zu ermöglichen, wechselt er auf die nördliche Seite des Gleises. Er entsteht dort, wo früher ein zweites Gleis über die zweite, heute ungenutzte Brücke über die Berliner Straße führte.1Das frühere, zweite Bahnsteiggleis lag allerdings südlich des jetzigen.

Der neu geplante Bahnsteig (rot, 1) liegt mit seinen Zugängen (2) und (4) auf der nördlichen Seite der Trasse. Die gelbe Linie kennzeichnet die Lage eines früheren, weiteren Gleises. Der aktuelle, dann zurückgebaute Bahnsteig liegt südwestlich (5).
(Luftbild: LH Wiesbaden)

Die Wahl erscheint schlüssig – nördlich der Trasse, am Tillpetersrech, ist schlichtweg mehr Platz, um den Bahnsteig mit seinen Treppen und Rampen näher an die Berliner Straße heranzurücken. Durch die enge Bebauung auf der südlichen Seite passt ein zweites Gleis in Erbenheim aber nur nördlich des jetzigen Gleises: An der Stelle lag bereits früher eines und führte über die heute ungenutzte, zweite Brücke über die Berliner Straße. Der geplante Bahnsteig liegt genau auf diesem Bereich – die Möglichkeit, den Haltepunkt Erbenheim perspektivisch zweigleisig auszubauen, wird im wortwörtlichen Sinne verbaut.

Blick in Richtung Haltepunkt Erbenheim: Rechts im Bild die heute ungenutzte Brücke über die Berliner Straße, über die früher ein zweites Gleis führte.

Auf der weitestgehend eingleisigen Ländchesbahn sind zweigleisige Abschnitte allerdings notwendig, um einen attraktiven Nahverkehr anzubieten. Die einzige Kreuzungsmöglichkeit der Strecke ist der Bahnhof Igstadt – erst durch diesen wird ein Halbstundentakt überhaupt möglich. Soll der Takt weiter verdichtet werden, sind weitere Kreuzungsmöglichkeiten notwendig. Und fast alle Wiesbadener Rathausparteien führten den Ausbau, die Attraktivierung, die Taktverdichtung der Ländchesbahn im Wahlprogramm. Ein eingleisiger Haltepunkt Erbenheim legt einem 15- oder ein 20-Minuten-Takt auf der Ländchesbahn aber erhebliche Steine in den Weg. Ob das allen Rathaus- und Ortsbeiratsparteien bewusst ist, darf bezweifelt werden.

Aus: Übersichtskarte 21-V-05-0013

Diese Notwendigkeit ist allerdings bekannt. Ein „zweigleisiger Ausbau der Ländchesbahn im Bereich Erbenheim“ wird in den Untersuchungen zum Haltepunkt BKA explizit vorausgesetzt. Vorgesehen ist dafür der Bereich zwischen B455 und Berliner Straße (gelb). Nur: Dort liegt ebenfalls der eingleisige Haltepunkt.

Eine zweigleisige Strecke, die zu einem eingleisigen Bahnhof führt, ist technisch möglich – aber nicht sinnvoll. Wenn der Zug aus Igstadt verspätet einfährt, muss der Zug aus Wiesbaden Hbf in Erbenheim vor dem Bahnsteig warten. Betrieblich sinnvoll oder kundenfreundlich ist das nicht.

Die Straße Tillpetersrech ist heute eher unscheinbar. Die Brombeerbüsche links weichen dem neuen Bahnsteig.

Dabei ist die Böschung zwischen Gleis und der Straße Tillpetersrech breit genug ist, um den Bahnsteig vier Meter nach Norden zu schieben und damit Platz für ein zweites Gleis zu lassen. Hier wird ohne offensichtliche Notwendigkeit eine Option für die Zukunft verbaut.

An welcher Stelle des Planungsprozesses festgelegt (oder zumindest inkaufgenommen) wurde, dass Erbenheim dauerhaft ein eingleisiger Haltepunkt bleibt, lässt sich von Außen nicht rekonstruieren. Fest steht aber: Die meisten beteiligten Akteure dürften zwischenzeitlich nicht mehr aktiv sein. Denn die Planung erstreckt sich über vier Stadtverordnetenversammlungen, drei Kommunalwahlen und ebenso viele Verkehrsdezernenten. Und die Uhr tickt: Am 02. Juni endet die Auslegungsfrist – danach folgt die Planfeststellung.

Werdegang: Stationsentwicklungsplan Ländchesbahn

Die Geschichte des Umbaus des Haltepunktes Erbenheim zieht sich bereits über ein Jahrzehnt durch die Stadtpolitik. Im November 2010 genehmigte die Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung (zu dem Zeitpunkt noch mit Verkehrsdezernent Joachim Pös, FDP)2Sitzungsvorlage 10-V-66-0229 nach „jahrelangen Verhandlungen“ die Kostenübernahme: Gemeinsam mit der DB und dem RMV startete nun die Vorplanung des Stationsentwicklungsplans Ländchesbahn.

Attraktiv genug? Der Haltepunkt Erbenheim heute.
Links des Gleises lagen früher mehrere Gleise für den Güterverkehr. Das frühere, zweite Bahnsteiggleis lag dort, wo heute der geschotterte Bahnsteig liegt. Ein Mittelbahnsteig verband beide Gleise.

2011 wurden den betroffenen Ortsbeiräten erste Planungsentwürfe vorgelegt. Drei Jahre später, das Verkehrsdezernat wechselte zwischenzeitlich zu Sigrid Möricke (SPD), wurden die Ergebnisse der Vorplanung den OBR Erbenheim, Igstadt, Auringen und Medenbach vorgestellt. Im Juli 2015 landete die formelle Kenntnisnahme3Sitzungsvorlage 14-V-04-0016 der Vorplanungen im Verkehrsausschuss. Wenige Tage später, am 16. Juli 2015, wurde sie unter Gegenstimmen der BLW und Abwesenheit der FDP auch in der Stadtverordnetenversammlung zur Kenntnis genommen.

Danach: Stille im Walde. Im Juni 2016 erinnerte der Erbenheimer Ortsbeirat an das Vorhaben zur Bahnhofserneuerung und kritisierte den informatorischen und baulichen Stillstand. Im März 2018 wurde ein inhaltlich gleicher Beschluss erneut gefällt – wieder mit deutlicher Kritik, „seit über 20 Monate keine Informationen mehr erhalten“ zu haben.

Am Dienstag, dem 27. April 2021, folgte schließlich die amtliche Bekanntmachung: Die Unterlagen zur Planfeststellung wurden öffentlich ausgelegt.

Höherer Takt trotz eingleisigem Erbenheim?

Die folgenden Bildfahrpläne wurden mit jTrainGraph auf Basis heutiger Fahrtzeiten erstellt. Rechnerisch schaffen die eingesetzten Desiro Classic-Triebzüge eine leicht kürzere Fahrtzeit. Bei den fiktiven 15-/20-Minuten-Takten sind die benötigten Kreuzungspunkte daher als Indikator zu verstehen, die sich mit Anpassung der konkreten Fahrtgeschwindigkeiten zumindest etwas verschieben lassen. Der Bahnhof Igstadt als Kreuzungsunkt wird als gesetzt angenommen.

Die Züge der Ländchesbahn verkehren heute im 30-Minuten-Takt. Abgesehen von dem zweigleisigen Abschnitt zwischen Wiesbaden-Hauptbahnhof und dem Abzweig Kinzenberg (hier zweigt die ICE-Strecke ab), ist der Bahnhof Wiesbaden-Igstadt die einzige Kreuzungsmöglichkeit.

Durch die sonst eingleisige Strecke sind entgegenfahrende Züge gezwungen, hier zu kreuzen. Ist einer verspätet, muss der andere hier ebenfalls warten. Durch die in Igstadt erzwungene Zugkreuzung ist die Gesamtfahrtzeit Wiesbaden-Niedernhausen einige Minuten länger, als die Triebwagen auf komplett freier Ländchesbahn schaffen würden.

Für einen 20-Minuten-Takt müssen sich die Züge an drei statt an einer Stelle kreuzen können. Neben Igstadt erscheint eine weitere Kreuzungsmöglichkeit kurz vor dem Bahnhof Niedernhausen notwendig. Zwischen Hauptbahnhof und Kinzenberg können die Züge heute schon kreuzen – bis Kinzenberg ist die Strecke zweigleisig.

Allerdings werden hier schon doppelt so viele Triebzüge benötigt – vier statt zwei.

Ein 15-Minuten-Takt, wie er in den Planungen zum Haltepunkt Ostfeld/BKA erwähnt wird, stellt nochmal schärfere Anforderungen. Neben einer neuen Kreuzungsmöglichkeit zwischen Auringen und Niedernhausen wird ebenfalls eine im Bereich Erbenheim erforderlich – und damit sind wir beim Thema dieses Artikels.

Die dargestellte Taktung ist ebenfalls mit vier Triebzügen abbildbar.

Jede Zugkreuzung ist eine betriebliche Einschränkung. Die kreuzenden Züge sind voneinander abhängig: Ist einer verspätet, müssen die Gegenzüge ebenfalls warten. Sollen die Züge auf der freien Strecke (also zwischen zwei Bahnhöfen) kreuzen, müssen die Fahrpläne exakt eingehalten werden. Um unnötiges Stoppen zu vermeiden, muss der zweigleisige Abschnitt mehrere hundert Meter lang sein.

Schon allein deshalb ist es sinnvoller, Züge auf eingleisigen Strecken in Bahnhöfen kreuzen zu lassen. Die notwendige Strecke, die zweigleisig ausgeführt werden muss, ist deutlich kürzer. Da der Zug ohnehin am Bahnsteig hält, ist kein zusätzliches stoppen notwendig. Und wenn der Gegenzug verspätet ist, wartet es sich am Bahnsteig besser und kundenfreundlicher als auf der freien Strecke. Ein weiterer Grund für einen zweigleisigen Bahnhof Erbenheim.

Weitere Kritik an Lage des Bahnsteigs

Die Gestaltung des neuen Bahnsteigs eröffnet weitere Punkte für mögliche Kritik – die zumindest in aller Kürze abgehandelt werden sollen.

Wird der Bahnsteig nördlich des Gleises platziert, entschärft sich dadurch ein nicht ganz ungefährliches Problem: Viele Leute kreuzen heute direkt vom Bahnsteig das Gleis, um Richtung Kreuzberger Ring zu gelangen.

Nicht erlaubt und trotzdem beliebt: Der Weg direkt vom Bahnsteig über das Gleis Richtung Kreuzberger Ring.

Gleichzeitig schafft sich dadurch aber dasselbe Problem auf der anderen Seite – denn ob alle Menschen, die südlich der Trasse wohnen und arbeiten (inklusive des neuen Baugebietes Erbenheim Süd) den offiziellen (Um)Weg über die Berliner Straße nehmen, ist fraglich. Ein direkter Zugang zum Bahnsteig von südlicher Seite ist nicht geplant.

Gleichzeitig befindet sich der barrierefreie, als Rampe ausgeführte Bahnsteigzugang am westlichen südlichen Ende des Bahnsteigs. Heißt: Jeder Fahrgast, der durch Kinderwagen oder Rollstuhl die Treppe nicht nutzen kann, muss von der Berliner Straße aus kommend erst die gesamte Länge am Bahnsteig vorbei laufen.

Ausflug in die Geschichte des Bahnhofs Erbenheim

Im Rahmen der Recherche zu diesem Artikel bin ich über einige spannende Einblicke gestolpert, die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte.

Mittelbahnsteig

Wir starten mit der Lage des zweiten Bahnsteiggleises. Dieses befand sich entgegen des ersten Eindrucks nicht nördlich des heutigen Gleises – sondern südlich (gelb markiert). Zwischen beiden Gleisen lag ein Mittelbahnsteig, der über das heute nicht mehr existierende Gleis zu erreichen war. Zur Jahrtausendwende wurde dieses ausgebaut und zugunsten des breiteren, heutigen Bahnsteigs verfüllt.

Das zweite, im Bild gelb markierte Bahnsteiggleis wurde zwischen 1998 und 2003 zugunsten eines breiteren Bahnsteig abgebaut. Zu sehen sind Luftbilder aus 1989 (links) und 2020 (rechts).
Quelle: geoportal.wiesbaden.de

Güterbahnhof Erbenheim

Erbenheim war nicht immer der eingleisige Haltepunkt, der er heute ist. Noch in den 1980er-Jahren war richtig viel los. Neben dem Gleisanschluss zum DYWIDAG-Gelände und mehreren Kopf-/Seitenrampen zweigte kurz vor dem Bahnhof der Gleisanschluss der Air Base ab. Auch zur Bedienung dieses Anschlusses verlief von Wiesbaden Ost kommend über die Mainzer Straße parallel zum Gleis der Ländchesbahn ein zweites Gleis. Hierzu empfehle ich die Bilderserie von Mahrko. Nach der Demontage des Gleises um 2011 endete dieses Kapitel wenige Jahre später mit dem Ausbau der letzten Verbindungsweiche 2016 endgültig.

Die Reste des Anschlussgleises Richtung Air Base liegen noch, die Weiche fehlt aber schon seit Jahren. (Wiesbaden, 2021).

Einer der Haupttreiber des Schienengüterverkehrs in Erbenheim war allerdings Verladung und Transport von Zuckerrüben. Auf alten Satellitenbildern, die den Bahnhof in voller Blüte zeigen, steht der Bahnhof voll mit dutzenden Güterwagen, die außerhalb der jährlichen Rübenkampagne nicht benötigt wurden. Auch die Verladeeinrichtung ist gut erkennbar.

Der Bahnhof Erbenheim im Februar 1983: Viel los. Die zwei Bahnsteiggleise mit dem Mittelbahnsteig und den Zuwegen (über das Gleis) sind bei (1) erkennbar. Rechts oben sind die Form-Ausfahrsignale erkennbar, auch die Bahnsteigbeleuchtung wirft ihre Schatten. Gegenüber des Bahnsteigs liegt die Verladeeinrichtung für Zuckerrüben (2). Im Bahnhof ist eine Vielzahl Güterwagen abgestellt, die außerhalb der jährlichen Rübenkampagne nicht benötigt werden.
Für eine bessere Auflösung: geoportal.wiesbaden.de
Das Silo steht noch, die Verladerampe für Zuckerrüben ebenfalls – allerdings zugewachsen. Allenfalls die herauslugenden Geländer zeugen aus dieser Perspektive davon. Ein besseres Bild findet sich hier: (Link)

Das zweite Gleis über die Brücke

Während die Strecke nach Igstadt auch in den 1970ern eingleisig war, führte dennoch ein zweites Gleis über die Brücke in der Berliner Straße – und endete nach rund 70 Metern an einem Prellbock. Hier findet sich eine Verladeeinrichtung zur Be- (oder Ent?)-Ladung von Güterwagen für den ortsansässigen Kohlenhändler. Auf den Bildern von 2017 ist sie noch sichtbar, 2020 war sie abgerissen.

Die Gleislage im Bahnhof Erbenheim 1983. Links unten der Mittelbahnsteig. (geoportal.wiesbaden.de)
Ein einzelner Schüttgutwagen, 1989. geoportal.wiesbaden.de

Auf Luftbildern von 1989 lässt sich ein einzelner, offener Schüttgutwagen an der Verladeeinrichtung erspähen. Eine Förderbrücke verbindet das Gleis mit einem Materialhof (heute stehen hier Wohngebäude). An dieser Adresse fand sich die Kohlenhandlung Christ.4Danke an die Facebookgruppe Du weißt, du kennst Wiesbaden, wenn du früher …

Unterm dem Gras verrotten die Schwellen, der Prellbock leidet sichtlich an Altersschwäche.


mathias

Aufgewachsen in Berlin, seit acht Jahren Wahl-Wiesbadener. Eigentlich Nordost, im Herzen aber Westend. Regelmäßiger Radler und Carsharing-Nutzer, beruflicher Verkehrsplaner (SGV). Faible für Daten, Karten und Grafiken.

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Dr. Ralf Schaab

wow, genialer tieferer Einstieg in die Welt der Bahn in Wiesbaden… gerne Diskussion, weil ich Besitzer der Grundstücke bin, wo der neue BKA Bahnhof errichtet werden soll….:) und ich mir noch nicht sicher bin, ob ich jubeln oder weinen soll…
Viele Grüße
Ralf Schaab

[…] Direkt davor tagt zusätzlich der Mobilitätsausschuss mit einer Sondersitzung. Das einzige Thema hier: Der geplante Umbau der Ländchesbahn im Bereich Erbenheim. Dur Thematik Erbenheim verweise ich auf diesen ausführlichen Artikel. […]

Klaus Duda

Sehr schön, dass sich auch andere mit dem Thema befassen, dass hier (in guter Absicht) zukünftige Möglichkeiten „verbaut“ werden.
Ich habe nach der Offenlegung der aktuellen Planung versucht, das Verkehrsdezernat und den Ortsbeirat zu sensibilisieren, leider mit sehr begrenztem Erfolg. Evtl. erkennt man dort nicht, auf was man verzichtet, wenn man den Platz des zweiten Gleises über die Berliner Str. „verbaut“.
Letztlich kam die Aussage, dass der neue Bahnsteig dann ggf. wieder abgerissen wird.
Meine Lösung währe ein Mittel-Bahnsteig über der Berliner Straße und eine Bushaltestelle darunter zur schnellen und direkten Verknüfung von Busverkehr und Schienenverkehr. Von der Unterführung Berliner Straße sollten beidseits (durch die Widerlagerwände) Treppen und Rampen hinauf zum Mittelbahnsteig führen. Das vermeidet, dass Passagiere die stark befahrene Berliner Straße (evtl. in unvorsichtiger Hast) überqueren um ihren Bus/Zug noch zu erreichen. Die beiden Gleise (Zugkreuzungsmöglichkeit) lägen beidseits des Mittelbahnsteiges und außerhalb der Gleise ein Zaun, damit sich keiner über die Gleise weg „verläuft“. Der Bahnsteig müsste an der Berliner Straße beginnen und sich dann nach Westen bzw. Richtung Wbd Hbf über die notwendige Länge erstrecken.
Fraglos ist das teurer und aufwendiger als der Amtsvorschlag. Wenn man es in Wiesbaden aber ernst meint mit der Förderung des Schienenpersohnenverkehrs, dann sollte man das Geld investieren, denn langfristig lohnt es sich, egal ab der Haltepunkt BKA kommt oder nicht.
Die „beplanten“ Flächen gehören übrigens alle der Bahn, da muss niemandem anderes etwas weggenommen werden. Nutzen der Maßnahme währe die Möglichkeit einen 15-Minuten Takt zwischen Erbenheim und Wiesbaden Hbf einzurichten. Die Fahrzeit betrüge nur ca. 5 Minuten. Mit dem Bus dauert es drei mal so lange von Erbenheim zum Hauptbahnhof zu kommen.

Klaus Duda

Ja – und weitere Bauarbeiten sind auch noch nötig um unter der Brücke eine reguläre Bushaltestelle einrichten zu können und die Aufgänge zu den Bahnsteigen einzurichten. Fraglos ein größerer Aufwand. Aber damit würde eine vollwertige Verknüpfung zwischen Bus und Bahn geschaffen, zwischen Flächenerschließung und schnellem leistungsfähigen Transportkorridar.
Aus meiner Sicht ist das gut angelegtes Geld – für die Zeit nach Corona, wenn der ÖPNV wieder voll ausgelastet unterwegs seien darf.

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