Die zweite Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung des Jahres 2022 hatte Seltenheitswert – und das ist nicht unbedingt ein Kompliment. Nach sechseinhalb Stunden im Kurhaus fällt das Fazit ernüchternd aus – ganze fünf Themen der Tageordnung I wurden zur Abstimmung gebracht. So war auch der Wiesbadener Kurier wenig überraschend wenig begeistert.

Davon müssten eigentlich zwei wieder abgezogen werden: Einerseits wurde der Antrag zur Förderung des Queeren Zentrums ohne Debatte zur Abstimmung geführt. Andererseits kann ein Antrag zur Einrichtung eines Akteneinsichtsausschusses eigentlich ohnehin nicht abgelehnt werden – die Debatte beschränkte sich daher auf die Frage, welcher Ausschuss die Akteneinsicht nun vornimmt.

Unterm Strich bleiben drei Debatten: Zum Ball des Sports (96 Minuten, 27 Beiträge), zum Krieg in der Ukraine (49 Minuten, neun Beiträge) und zur Englischen Sprache in der Verwaltung (35 Minuten, zehn Beiträge). Platzhirsche des Zeitverbrauchs waren aber die halbstündige Pause (56 Minuten dauerte) und die spontane Einberufung des Ältestenausschusses infolge einer als Beleidigung aufgefassten Äußerung. Die Klärung dieses Sachverhaltes sorgte für eine Unterbrechung der Debatte zum Ball des Sports, die fast genau so lange dauerte wie die Debatte selbst.


mathias

Aufgewachsen in Berlin, seit acht Jahren Wahl-Wiesbadener. Eigentlich Nordost, im Herzen aber Westend. Regelmäßiger Radler und Carsharing-Nutzer, beruflicher Verkehrsplaner (SGV). Faible für Daten, Karten und Grafiken.

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