Der Modal Split – also die Aufteilung, wieviele Wege mit welchen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden – ist eine der Standard-Vergleichsgrößen in der Verkehrspolitik. Für mich Grund genug, der Frage nachzugehen, wie eigentlich mein eigener, persönlicher Modal Split aussieht.

Erstmalig und vollständig erfasst habe ich diesen im Juli 2020. Nachdem Ereignisse meine Erfassungen im August und November unbrauchbar gemacht haben, läuft die nächste Erfassung im Januar 2021.

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Im Juli 2020 habe ich insgesamt 792,3 Kilometer zurückgelegt. Ein großer Teil davon ist dem Pendeln zur Arbeit zuzuschreiben – wenngleich durch HomeOffice nicht täglich. Stärkster Einzeltag war der 14. Juli mit knapp unter 200 Kilometern – Tagesausflug zum Kanufahren ins Lahntal.

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Das Fahrrad dominiert

Doch wie teilen sich die Fahrten auf die verschiedenen Verkehrsmittel auf? Rund ein Drittel habe ich per Fahrrad zurückgelegt – immerhin 260 Kilometer. Ein weiteres, knappes Drittel entfiel auf das Auto – im wesentlichen getrieben durch den Ausflug ins Lahntal. 20% der Kilometer entfielen auf Züge zwischen Mainz und Wiesbaden. Immerhin 1,7% (13,3 Kilometer) machte die Kanufahrt im Lahntal aus – das ist deutlich mehr als die Fahrten per E-Scooter.

Wechselt man die Ansicht von der Streckenentfernung zur reinen Häufigkeit (also wie oft Verkehrsmittel genutzt werden), relativiert das den Autoanteil deutlich.

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Ein Drittel aller Wege bin ich also gelaufen (auch wenn diese nur 8,5% der zurückgelegten Kilometer ausmachten.) Knapp jeder zweite Weg wurde geradelt. Aus den Entfernungen und Häufigkeiten ergibt sich eine „durchschnittliche Weglänge nach Verkehrsmittel“ – mit auf dem zweiten Bick wenig überraschenden Einsichten. Fußwege und Scooter waren eher Kurzstrecken.

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Was tun bei Fahrten mit mehreren Zwischenstopps?

Reingezoomt in die Fahrradstrecken, die im Durchschnitt 3,5 Kilometer lang waren, ergibt sich eine durchaus interessante Streuung. Sehr viele Fahrten lagen unter vier Kilometer: Wege in die Innenstadt, zum Einkaufen, zum Bahnhof. Längere Strecken waren häufig Fahrten von/zur Arbeit oder Radtouren im CityBahn-Kontext.

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Der Eindruck kann allerdings etwas verfälscht entstehen. Fahrten vom Büro nach Hause sind per Fahrrad beispielsweise knapp 13 Kilometer lang. Lege ich unterwegs einen Stopp ein (z.B. in einem Laden), entstehen zwei kürzere Wege.

Hintergrund ist die (schwierige) Klassifizierung nach Zweck der Fahrt – Arbeit, Freizeit, Einkaufen? Wenn ich auf dem Heimweg von der Arbeit einen Umweg radle und am Weinstand Biebrich noch einen Weißwein kredenze: Wie viele Kilometer hat nun der Weg von der Arbeit verursacht, wieviel der Weinstand?

Klar könnte man hier die „direkte Route“ und die umwegige vergleichen und die Differenz dem Weinstand zuschlagen. Spätestens bei mehr als einem Zwischenstopp wird diese Rechnung aber nicht mehr trivial. Die einfache (aber unsaubere Lösung): Jeder Zwischenstopp teilt die Strecke und das „Ziel“ bekommt alle Kilometer seit dem letzten Stopp zugeschlagen.

Ein Blick in die Autofahrten

Autofahrt ist ungleich Autofahrt. Daher sei auch hier nochmal ins Detail geblickt hinsichtlich des Besetzungsgrades – also der Frage, wie viele Personen das Fahrzeug gemeinsam genutzt haben.

Der PKW-Besetzungsgrad liegt in und außerhalb der Stoßzeiten im Schnitt bei rund 1,3 Personen. Die meisten Autos befördern also nur eine Person, einige zwei oder mehr.

Besetzungsgrade lassen sich natürlich auch für Busse und Züge ermitteln – dafür müsste ich aber bei jeder Fahrt und jedem Stopp zählen. Fußverkehr und E-Scooter haben klassisch einen Besetzungsgrad von 1, Fahrräder (sofern man kein Tandem hat oder Kindersitz) ebenso. Der Besetzungsgrad des Kanus im Lahntal (3) hat eine eher anekdotische Relevanz.

Zurück zum Auto: Privat und dienstlich kombiniert kommen meine PKW-Fahrten im Juli 2020 auf knapp unter 250 Kilometer. Aber: der absolute Großteil davon in Gesellschaft. Und so ergibt sich ein persönlicher PKW-Besetzungsgrad von im Schnitt 2,6 Personen (Gewichtung nach Entfernung) bzw. 2,7 Personen (Gewichtung nach Anzahl Fahrten).

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Dieser liegt also doppelt so hoch wie der Durchschnitt. Oder – bewusst provokativ formuliert: Wären alle Autos mit im Schnitt 2,6 Personen besetzt (mein persönlicher Besetzungsgrad also repräsentativ), gäbe es keinerlei Verkehrsprobleme im MIV. Wohl wissend, dass gemeinsame Fahrten nicht für jeden und immer möglich sind.

Kategorien: Logbuch

mathias

Aufgewachsen in Berlin, seit acht Jahren Wahl-Wiesbadener. Eigentlich Nordost, im Herzen aber Westend. Regelmäßiger Radler und Carsharing-Nutzer, beruflicher Verkehrsplaner (SGV). Faible für Daten, Karten und Grafiken.

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